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Das Teichwunder von Kemnitzerhagen

Ostseezeitung, 30.10.2002, Sven Jeske

Kemnitz: Zu sehen, wie Gemeinden ihre verschlammten Teiche auf Vordermann bringen, lässt Hans-Peter Nehmzow zuweilen spotten. Gerade hat die Stadt Gützkow ihr Gewässer ausgepumpt, damit der lebensfeindliche Bodensatz der sich in Laufe der Jahre aus Vogelfäkalien und Laub bildete, ausgebaggert werden kann. Nehmzow hat sich fast totgelacht über soviel Aufwand. Der Kemnitzer kennt ein besseres Verfahren.

In Kemnitzerhagen wendet er es an. Um den gleichfalls verschlammten Teich des Ortes zu reinigen, fuhr Nehmzow alles andere als schwere Technik auf. Mit einem Schlauchboot arbeitete er sich über den verkrauteten Tümpel, auf dem die Frösche liefen und schon lange keine Enten mehr schwammen. Alles, was Nehmzow tat, war, eine auf die Gewässergröße zugeschnittene Bakterienkultur mit einer Gießkanne auszubringen. Schließlich schüttete er ein in Wasser aufgelöstes Granitpulver hinterher. Dann setzte der Teichbauer Pfähle am Ufer, spannte ein Seil über den Teich und hängte in dessen Mitte ein technisches Gebilde, das ausschaut wie eine Gartenlampe mit Rillen.

Und so in etwa funktioniert das Ganze: Die "Gartenlampe", Djed genannt, speist Lichtenergie und strahlt in Folge Gravitationswellen ab. Die wiederum wirken über das ins Wasser ausgebrachte Pulver anregend auf die Bakterien. "Die Mikroorganismen werden regelrecht angespornt, sich zu vermehren und die organischen Einträge abzubauen", schildert Nehmzow. Auf diese Weise werde der Teich gereinigt, ohne brutal in sein Gefüge einzugreifen. Binnen eines Jahres, besagt die Erfahrung, können die angeheizten Bakterien bis zu einem Meter Schlamm "fressen".

Ein Vierteljahr nachdem Nehmzow das von einem Berliner Physiker entwickelte Verfahren in Kemitzerhagen einsetzte, sind erste Resultate sichtbar. In einem Radius von sieben Metern um den Djed, ist das stickige Pflanzendickicht bereits aufgelöst. Kemnitz' Bürgermeister, Johannes Polster, dürfte zufrieden sein. Er hatte Vertrauen gefasst und auf die ungewöhnliche Sanierungsmethode gesetzt. Der offensichtliche Erfolg gibt ihm Recht und macht womöglich andere Bürgermeister neugierig. Denn zu sanieren ist schließlich noch so mancher Teich. Und wozu dann Pumpen, Bagger und Lkw einsetzen, wenn ein Schlauchboot doch genügt.

 

 
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