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Beschwingte Mikroorganismen entschlammen Teiche

Buch "10 Jahre Raumordnung in Vorpommern", 2003, Seite 106f

Erst muss das Wasser abgepumpt werden, um dann den stinkenden Faulschlamm auszubaggern. Je nachdem, wie stark dieser mit Schwermetallen und Giften durchsetzt ist, muss der Schlamm als Sondermüll entsorgt werden. Also wird er entweder auf eine Sondermülldeponie gefahren oder getrocknet, zu Pellets gepresst und verbrannt. Vom eigentlichen Teich bleibt nicht mehr viel übrig. Und die Gemeinde hat das nächste Loch im Stadtsäckel.

Für den Kemnitzer Teichbauer Hans-Peter Nehmzow sind teure Bagger, Pumpen und aufwendige Belüftungsanlagen teure und veraltete Techniken der Teichsanierung. Er arbeitete sich mit seinem Schlauchboot über das Kraut, goss eine passende Menge Mikroorganismen ins Wasser und Quarzmehl. Zum Schluss wurde der Yet aufgestellt. Wie eine Boje mit drei Granitscheiben und einem Zapfen darunter schwimmt das Gerät in einem Ponton. Hans-Peter Nehmzow brauchte von nun an nur noch zuzuschauen. Ein Vierteljahr später ist das Pflanzendickicht in einem Radius von sieben Metern um den Yet zurückgegangen. Die Tiere und Pflanzen im Kemnitzhagener Teich können aufatmen. Erstens sind sie nicht ausgepumpt worden und zweitens verbessert sich die Wasserqualität. Und Kemnitz' Bürgermeister Johannes Polster ist erleichtert. Der Mut, sich für diese unkonventionelle und kostengünstige Teichsanierung zu entscheiden, hat sich gelohnt.

Kemnitzhagener See

Der Erfinder dieses Verfahrens ist der Physiker Elmar Wolf. Er studierte Physik an der Berliner Humboldt-Universität, arbeitete in der Industrie und widmete sich ab 1990 wieder ganz der theoretischen Physik. Wolf gründete die BAT GmbH. "Wir müssen der Umwelt ihr ursprüngliches Gleichgewicht zurückgeben. Ohne Chemie und ohne zusätzlichen Energieaufwand, der an sich wieder eine Belastung der Ökosysteme wäre, soll der Kreislauf geschlossen werden, so dass wir wieder Obst und Gemüse ohne Pestizide und Schwermetalle essen können. Das elektromagnetische Energiefelder in bestimmten Frequenzen das Wachstum von Zellen fördern, haben Forschungsergebnisse gezeigt. Mit dem Yet habe ich ein Gerät entwickelt, das Tageslicht in elektromagnetische Energiefelder umwandelt, die wiederum die aeroben Bakterien ermuntern, mehr Faulschlamm zu verstoffwechseln, schneller zu wachsen und sich häufiger zu teilen. Der Granit für die oberen Platten stammt aus Italien. Seine besonderen Strukturen geben die richtigen Resonanzen ab, welche die Mikroorganismen positiv ansprechen. Diese zersetzen in hoher Geschwindigkeit sämtliche organischen Stoffe."

Uwe Saldsieder und Hans-Joachim Zorn vom Hanse- Handelskontor aus Stralsund sind überzeugte Förderer der Yet- Methode. Sie beraten interessierte Kunden und organisieren die gesamte Teichsanierung. "Das Verfahren mit dem Yet und den Mikroorganismen ist schonender für die Umwelt und für den Geldbeutel. Die Sanierung der Klärteiche in Kölpinsee auf Usedom könnten wir z. B. zu einem Preis von 6,50 Euro pro Quadratmeter leisten. Kostenaufwendige Spülfelder, zerfahrene Ufer, Geruchs- und Geräuschbelästigungen sind passé. Das Gewässer wird in seinem natürlichen Selbstreinigungsprozess unterstützt. Wichtig ist die individuelle Diagnose und der dosierte Einsatz. Nachdem Herr Nehmzow Wasser und Schlammproben in seinem Erdlabor untersucht hat, ermitteln wir nach Angaben von Herrn Wolf die Anzahl und Art der Yets und die Mikroorganismen-Impfung. Der Grabower Bodden könnte damit genauso entschlammt werden wie die Warnow oder der Galenbecker See", versichert Uwe Saldsieder. Die Mikroorganismen sind ein Gemisch aus Photosynthese-, Milchsäure- und Hefebakterien. Zusammen mit Sauerstoff zersetzen sie organische Stoffe wie Blätter und Schlamm. Sie treiben die natürliche Verrottung voran und drängen die Fäulnis zurück.

 
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